Sirène

„Ich weiß nicht, ob ich sie wiedersehen werde und ob das gut wäre oder schlecht.
Ich kann euch nur sagen:
eure Lieblingsgeschichte – welche es auch sein mag – wurde nur für einen Leser geschrieben.“
(„Von 5 bis 7: Eine etwas andere Liebesgeschichte“)

lost friend, my heart aches for you

aus Gründen:
… nicht Du bist gemeint, nicht Du und auch Du nicht – es scheint angebracht, selbst einen Vornamen als abgekürztes Mini-Teilchen zu verkleiden. Paranoia oder Wichtigtuerei; als sei jeder Mensch in jeder Sequenz aus Bits und Bytes als herausragend zu erkennen, als sei eigentlich immer er gemeint, obwohl ihm nur in Manhatten ein Eis aus der Hand fällt.

Der monatelange Weg durch Berge von Papier, Warteschleifen-Rauschen. Das Fühlen, wie innen Erinnerungen und Gefühle durch eine dicker werdende Schicht Seelenpanzer hier verwachsen, dort sich lösen.

Die letzten Jahre hatte ich immer ein Hans-im-Glück-Gefühl, ausgefüllte Tage, Konzentration, klammheimliche Gewissheit, über kurz oder lang wieder Facetten des Lebens teilen zu können; allein zu sein innerhalb einer Zweierbeziehung gibt der Sprache ihre Zuhörer, dem Bild seinen Betrachter, dem Ton seinen Tanzschritt – sogar, wenn niemand da draussen ist.

Alleinsein ohne Partner ist der langsame Weg ohne Mut, ohne das Bewusstsein, im Tun Sinn zu finden und zu erschaffen, und das einzige Aufwühlen vor dem Point of no return ist das Keuchen des eigenen Atems, der gerade genug Sauerstoff in dich lässt, um zugleich dem Gehirn die Berechnungen und den Beinen die Kraft gibt und ermöglicht, eventuell gerade noch an den Rand des dunkel abgehobenen Wald weit vorne zu erreichen.

Als ich erwache liege ich schweißgebadet in einer feuchten Pfütze, wie in einer Sauna, durchsetzt vom Duft von Initio, Magnetic Blend Nr.7 … ich schwebe in einer Cloud aus weißen langen Blüten, benetzt vom warmen Dunst, schaue dich an und erkenne deine stille, tiefe Schönheit.

Ich weiß, dass das die Zeichen sind, dass dieser Weg noch nicht zu Ende ist, tauche wieder in dein Lächeln und schlummere ein; das Gefühl, aus deinen Armen entlassen zu werden, den Blick auf dein sanftes wunderschönes Gesicht gerichtet; meine Hand erschlafft in deiner, ich ertrinke in deinen Augen, und dann beginnt der Abstieg.

Ich weiß, du bewachst mich und meinen Tiefschlaf, ich weiß, morgen steht wieder eine Übung an, nach deren Abschluss sich immer weniger Teilnehmer versammeln. Und ich fühle die Hornhaut dicker werden, die nach und nach die Stellen versucht zu polstern, die an den Kontaktstellen entsteht, an denen unsere Waffen mit unseren sanften Gedanken und Gefühlen aneinander reiben.

Nachts, in unseren Träumen, verlieren sich die Einzelnen aus den Augen, jeder kämpft für sich allein, und jeder Verwundete wird um eine Verletzung reicher, bis er langsam den Kopf senkt, die Knie beugt und der Sehnsucht nach Ruhe nachgibt.

You’re in my heart, you’re in my soul

emersion

… dann geht es rasch und Zug um Zug, fast zu glatt, um dem üblichen Verlauf solcher Unterfangen in meinem Leben zu entsprechen, aber bitte, gerne, danke.Vom Postboten über den Tankwart, vom Nachtschichtpfleger über den ausgemergelten Knaben für alles, der mitten in der Nacht frische Leichen durch dunkle Gänge schob, habe ich viel und alles gemacht, um dann als Doppel-Facharzt 30 Jahre bis zu 90 Stunden/Woche zu arbeiten.

Und nun die Ernte: Monatliche Rente der Ärzteversorgung, zuzüglich fette angesparte monatliche Aufstockung, nette Abfindung und zufällig entdeckte einmalige Rente als Batzen.

Unter allen Stapeln von Attesten und Nachweisen und Befunden ist mir ein Dokument direkt ans Herz gewachsen: eine EC-Karte, die mich als „Rentner“ ausweist und möglicherweise 3 Euro beim Besuch einer Ausstellung einspart.

„Rentner“, ein Mann in den besten Jahren, deutlich genesend, in der Adaptationsphase von der Überbelastung mit allen Symptomen hin zum vermögenden Nicht-Planer und Nicht-Macher.

Mann/Frau wünsche mir Glück.

rise and shine

mehr oder weniger regelmässig verschiedene Genres von kleinen Texten zu veröffentlichen, fordert nicht nur etwas Disziplin – diese Mischung aus Schreiblust und Wortspielereien wird notgedrungen unterbrochen, wenn wichtigere Dinge in den Vordergrund treten.

Und im Abstand weniger Wochen- Monaten einschlagende Bomben (eine Trennung, die längst fällig war, aber umso würdeloser, die Nachricht, dass 30 Jahre Arbeit weggewischt werden, als ginge es nicht um 5000 Menschen, ein absolut unerwartetes Wurzelspitzengranulom, das ich, eingekeilt auf einer Insel, nur mit extremen Dosen Analgetika ertrage, und zuletzt dann alles zusammengefasst zu einem bedrohlichen Konglomerat schwarzer Wolken.

Mein Hausarzt sagt nur: „Sie sehen sehr krank aus!“ und ich beschliesse, mühsam die Zügel in die Hand zu kriegen: altersbedingte Berentung eingeleitet, endlose Arbeitsunfähigkeit, innen und außen aufgeräumt, Therapie, auch medikamentös, begonnen; nun sitze ich in der eigenen Wohnung wie in Einzelhaft, seit November des vergangenen Jahres ; in wenigen Wochen bin ich, wenn alles gut geht, ein freier Mann; und langsam steigt die Spannung, wieviele Lebensabschnitte ich noch haben werde und wie diese gestaltet werden.

Ein Burnout, das zuschlägt wie eine Keule  und den Betroffenen ratlos hinterlässt, obwohl es mehr und mehr sein werden, die im Laufe ihres sinnentleerten, fremdbestimmten Lebens immer rasender durch Momente der Absonderlichkeiten, hre Kraft plötzlich komplett absorbiert finden; fast jeder zweiter wird in depressiven Episoden mindestens einmal innerlich erstarren, jahrzehntelanges Belogen und hingehalten werden von selbst Erstarrten, die Unübersichtlichkeit und Unabsetzbarkeit, wird von den einen nur noch klassifiziert, (depressive Episode zweiten Grades, Burnout, denn das Kind muss einen Namen haben).

Dann kommt es zum Auseinanderdriften; die negativ getönten Affekte schlagen nach innen, machen aus Lämmern Zeitbomben, die kein Ventil mehr haben, Verletzungen im Kreis gedreht; schließlich der Affektdurchbruch, explosiv der Schrei: ich kann und ich will das alles nicht mehr machen und mitmachen:

Emsig schreibt der Fachmann, was nicht mehr gefühlt werden konnte, vor sich hin diagnostizierend, ein etwas ödes Bild von verronnenen Leben.
Bilanzen und Therapieprotokolle, denn mehr haben wir nicht
Citalopram is an antidepressant drug of the selective serotonin reuptake inhibitor (SSRI) class. It has U.S. Food and Drug Administration approval to treat major …Trade names‎: ‎Celexa, Cipramil, and othersMetabolism‎: ‎hepatic‎ (‎CYP3A4‎ and CYP…Biological half-life‎: ‎35 hFormula‎: ‎C20H21FN2O
Carvedilol, einige N-3-Packungen; Analgetika in N-3-Gebinden.
37 Arztbesuche, 3 Konsiluntersuchungen, 3 -„Ermittler“besuche der KV
219 Fertigpizza, Kiloweise Frosta.Schlaf im Wechsel zwischen 22h und 4h Tag; Ich weiss, dass es „draussen“ gibt und suche manchmal Wege; spannend, Unterholz, Geröll, Geraschel und sehr gedämpft der Sound der Vorbeihechelnden aus ihren iPods.

Zwischen Sound, Ansicht, Gedanken und anderen Sinnesqualitäten merke ich noch Verschiebungen, dann schwimme ich auf der Welt; aber ich bin die springende Forelle und ein Stehaufmännchen – alles geht aufwärts

Desorganisiertes Chaos gefolgt von desorientiertem Getue, ut aliquid fieri videatur; ich fahre mich zurück, als ich bereit bin, vollends aufzugeben.

Ein halbes Jahr hat es gebraucht,mich so tief niederzudrücken, dass der Weg zurück nach oben schlicht die einzige Alternative war.
Mir sind die Hände aus der Hand genommen worden – aber es wachsen andere Tools nach, und, banal, aus jeder Minikrise bleibt eine Portion neuer Kräfte übrig.